Focus, please!

 

Ich sitze an meinem Schreibtisch und beginne meine E-Mails durchzugehen. Beginne, auf eine Anfrage zu antworten, da fällt mir ein, dass ein anderer Kunde schon seit Tagen auf eine Rückmeldung von mir wartet. Ich wechsle das Fenster und beginne zunächst mit dieser Mail. Für das Angebot brauche ich eine Materialkostenkalkulation. Was kosten die Aquarellblöcke nochmal? Ich schaue schnell auf Amazon. Oh, da fällt mir ein, ich muss dringend neues Workshoppapier bestellen. Oh, und die Guides muss ich für die Artnight heute Abend noch drucken. Lieber ich mach es sofort, sonst vergesse ich das noch. 

Kommt dir das bekannt vor? Ich habe mal einen sehr bezeichnenden Spruch dazu gelesen: „My brain has too many tabs open“

Leider ist das so oft meine Realität, dass es mir schwerfällt, eine Sache zu Ende zu bringen, bevor ich die nächste beginne. Mein Kopf platzt fast vor Ideen und wo manche noch über die Umsetzung nachdenken, habe ich längst den ersten Schritt gemacht und irgendetwas umgesetzt. Auf diese Art und Weise sind schon viele Dinge in meinem Leben entstanden. Ich habe ein Business gegründet, weil mir plötzlich die Idee dazu kam. Ich habe mich im Fitnessstudio angemeldet, weil ich mir gestern das Ziel gesetzt habe, wieder fitter zu werden. Ich bin ArtNight-Künstlerin geworden, weil ein Bekannter mir gestern davon erzählt hat. Ich habe begonnen, diesen Blog zu schreiben, weil mir eines Tages plötzlich die Idee dazu kam und der erste Artikel war quasi schon geschrieben. 

Ich fange einfach an. Mit vielem. Ich denke nicht lange darüber nach, sondern tue es einfach. Bin impulsiv gesteuert und lasse mich schnell begeistern. Ein Funke reicht, um meine Phantasie zu entflammen und schon sehe ich das fertige Produkt, den Onlineshop, die Bikini-Figur oder die Workshopabende vor mir. Meine Vorstellungskraft kennt keine Grenzen, und wenn ich ein Motto aus meinen Teenager-Jahren mitgenommen habe, dann ist es Träume nicht dein Leben, sondern lebe deinen Traum.“ 

Ich träume viel und versuche noch mehr umzusetzen und dann passiert das, was ich in den ersten Zeilen beschrieben habe: Ich fange alles an und bringe nichts zu Ende. Johanna (von @byjohannafritz) hat es neulich mit Häusern verglichen, die man baut. Jedes Projekt ist ein Haus. Und wenn ich 10 Häuser halb fertig habe, kann ich mit keinem der Häuser Geld verdienen. Fokus ist gefragt! In welches Projekt investiere ich mich als erstes? Was ist wichtig und gleichzeitig auch dringend? Und dann ist Durchhaltevermögen und manchmal auch ein langer Atem gefragt. Ich erinnere mich dann immer wieder an die Worte meines Pastors, der meinen Ehrgeiz ganz zu Beginn von Hints&Kunst mit den Worten lockte „Es ist nicht schwer, etwas zu starten, aber es ist schwer, dabei zu bleiben“

Als ich vor ein paar Tagen mal alle Projekthäuser aufgemalt habe, an denen ich momentan baue oder auch bauen sollte, wurde mir bewusst, wie unterschiedlich die einzelnen Häuser sind und dass ich tatsächlich Entscheidungen treffen muss. Und die Entscheidung FÜR eine Sache ist immer auch die Entscheidung gegen eine oder mehrere andere Sachen. Und das ist der schwere Teil. Denn da gibt es den Optimist in mir, der ruft, dass ich auch alles gleichzeitig schaffen kann und der dem Realist nicht zu hören will, der ihm versucht klarzumachen, dass es weiser ist, eine Sache nach der anderen abzuschließen. Und so streiten sich die beiden ;-)

Mein eigenes Learning und auch mein Give-away Gedanke für dich: Werde dir einmal über all deine halbfertigen Projekthäuser bewusst und dann treffe bewusste Entscheidungen. Für das eine und gegen das andere. Ich glaube es liegt so viel mehr Kraft darin, wenn wir fokussiert an einem Projekt arbeiten und uns intensiv damit beschäftigen und nicht dauernd von anderen aufploppenden Ideen ablenken lassen. 

Noch eine Quote zum Abschluss: „You are what you do – not what you say you’ll do“ 

Man wird sich an dich erinnern für das, was du vollbracht hast, nicht für das, was du alles begonnen und nie zu Ende gebracht hast.